Wer bin Ich ?




Seit es Menschen gibt, steht diese Frage für den Wunsch sich selbst zu erforschen, sich zu erkennen um herauszufinden, wer man wirklich ist.
Wer bin Ich ? Weshalb lebe Ich ?
Durch die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit können wir wichtige Antworten auf die Kernfragen unseres Lebens finden. Manchmal sind äußere Anlässe der Grund, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Persönliche Krisen, der Eintritt in eine neue Lebensphase, sowie schicksalhafte Erlebnisse können uns plötzlich dazu
bewegen, die eigene Persönlichkeit genauer zu betrachten. Gibt es mehr als nur die äußere Erscheinung? Dadurch, dass ich mich ganz bewusst wahrnehme, meine Gewohnheiten und meine Charaktereigenschaften hinterfrage, erweitere ich meinen Horizont und komme näher in Kontakt mit mir.
Philosophie, Religionen und die Künste haben sich immer wieder diesen Fragen gestellt. In der bildenden Kunst gibt es den Bereich der Selbst- darstellung. Mit Selbstporträts haben Künstlerinnen und Künstler versucht sich mit ihrer Persönlichkeit auseinander zu setzen. Albrecht Dürer, Max Beckmann oder Cindy Sherman haben immer wieder die eigene Person zum Thema ihrer künstlerischen Arbeit gemacht um letztendlich die Frage beantworten zu können: Wer bin Ich ?


Das Projekt

A. Vorbereitung
Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe mit dieser Frage zu konfrontieren und sie damit zu einer künstlerischen Auseinandersetzung mit der eigenen Person zu motivieren, war der Ausgangspunkt für dieses Projekt. Die Teilnahme war freiwillig, da eine ernsthafte Auseinander- setzung mit der eigenen Person nicht erzwungen werden kann. Es gab eine inhaltliche, aber keine kunstgeschichtliche Vorbereitung oder Ein- führung zum Thema Selbstdarstellung. Die Teilnehmer sollten möglichst unbelastet ihren Zugang zum Thema finden.


B. Aufgabenstellung
Die Ausstellung zeigt jeweils drei Fotografien der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler. Die ersten beiden sind Schülerarbeiten. Das dritte Foto, das Porträt wurde vom begleitenden Lehrer aufgenommen.
Die Aufgabe bestand darin, die folgenden Fragen fotografisch zu beantworten :

1. Wie sieht es aus, wenn ich fühle:
Ja, das bin Ich ! So bin ich authentisch !

2. Hier gibt es zwei Möglichkeiten:
a) Wie, in welcher Rolle, möchte ich gesehen werden ? 


b) Kann ich neben meinen Stärken auch Persönlichkeitsanteile, zulassen und akzeptieren, die ich normalerweise gerne ausblende?

3. Wie werde ich von Anderen gesehen ?
Wie sehe ich als Lehrer die Schülerinnen und Schüler, die ich sechs Jahre lang im Unterricht begleiten durfte. Ist es möglich nicht nur die Oberfläche der Person darzustellen, wie zum Beispiel in der Modefotografie oder ge­lingt es mit den Foto, mehr als nur diese Oberfläche einzufangen.
In der Ausstellung hängen die Fotos von links nach rechts entsprechend den Fragestellungen 1,2, und 3.


C. Durchführung
1.Die Schülerinnen und Schüler waren bei ihrer Arbeit ganz auf sich allein gestellt. In einem geschützten Raum, in dem sich nur die Schülerin/der Schüler aufhalten durfte, stand eine auf einem Stativ montierte Kamera. Vor einem neutralen Hintergrund konnten die unterschiedlichen Positionen eingenommen werden. Ein Spiegel diente zur Überprüfung der Ein-
stellungen. Die Kamera wurde durch einen Timer ausgelöst. Auf diese Weise entstanden jeweils 5 Fotos zu den beiden oben genannten Fragen.

2. Die Porträts
Die Porträts wurden nach den Fotosessions von mir aufgenommen. Die
Zeitspanne dafür betrug maximal 10 Minuten.

3. Die Auswahl der Fotos
Die Schülerinnen und Schüler haben ihre Fotos selbst aus gewählt, bei
Entscheidungsschwierigkeiten habe ich auf Wunsch beraten.
Bei den Porträts habe ich die Auswahl getroffen und den Schülern meine
Auswahl begründet.


D. Schlussbetrachtung
Im Zeitalter von Youtube und Facebook gibt es bei den Jugendlichen kaum noch Berührungsängste, wenn es nur die Darstellung und Inszenierung der eigenen Person geht. Schaut man sich diese Fotos genau an, wird schnell klar, dass es hier weniger um die Auseinandersetzung mit der ei­genen Person geht. Vielmehr geht es um Rollenspiele, darum einem von der Gesellschaft vorgegebenen Bild zu entsprechen. Wie muss ich zum Beispiel aussehen um „cool’’ zu wirken ?
Dahinter steckt der Wunsch von den Anderen akzeptiert zu werden, auch um den Preis, die eigene Identität nicht zu leben. Damit kann man zweifellos eine Zeit lang glücklich und zufrieden sein. Doch egal, was man erreicht oder besitzt, die Frage nach dem Warum ich so bin, wie ich bin wird immer wieder kommen.


Diese Thematik in das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler zu bringen war Ziel des Projekts. Die Fotografie bot sich als besonders geeignetes Medium für dieses Vorhaben an. Sie kann zwar Wirklichkeit abbilden, aber die Wirklichkeit nicht ersetzen. Die Begegnung mit dem eigenen Abbild begünstigt so eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit.
Mein Dank gilt deshalb allen beteiligten Schülerinnen und Schülern, deren
Offenheit und Ehrlichkeit mich stark beeindruckt haben.


Karl -Heinz Lünstroth, Fachlehrer Kunst






Am 25. Mai 2012 eröffnete die stellvertretende Bürgermeisterin Frau Pölzing

gemeinsam nit Schulleiterin Frau Suer und Kunstlehrer K.-H. Lünstroth die dies-

jährige Kunstausstellung der Hauptschule Versmold.




Frau Pölzing, stellvertretende Bürgermeisterin  



Frau Suer, Schulleiterin



K.-H. Lünstroth, Fachlehrer/Kunst


Marija vor ihren Porträts




Alle Fotos der Eröffnung mit freundlicher Genehmigung von Frau Oldach, Stadt

Versmold



Die Ausstelung


Arman, 18 Jahre



Lilija, 17 Jahre


   

Lukas, 17 Jahre



  


   

Marija, 16 Jahre



   

Stefan, 17 Jahre



   

Marvin, 17 Jahre



   

Wladimir, 17 Jahre



   

Wadim, 17 Jahre




   

Tevriz, 17 Jahre




 

Christina, 17 Jahre